Ambulante OP ! - Konisation

Bei Ihrer üblicherweise jährlich durchgeführten Vorsorgeuntersuchung entnimmt Ihr Frauenarzt mit einem Tupfer und einer Bürste Zellen von Ihrem Muttermund (Portio) und aus Ihrem Gebärmutterhals (Zervix). Dieser Zellabstrich (PAP-Abstrich) wird an einen Zytologen/Pathologen weitergeleitet, der die Zellen mit bestimmten Farbstoffen anfärbt und unter dem Mikroskop untersucht.
Ziel dieser Untersuchung ist es, eventuell vorhandene Zellveränderungen oder Krebsvorstufen möglichst frühzeitig zu entdecken, um sie dann auch noch rechtzeitig vor Auftreten einer ernsten Erkrankung entfernen zu können.
Ein einziger veränderter Abstrichbefund ist in der Regel noch kein Grund zu einer Operation!
Bei einer empfohlenen Kontrolle in 3 (oder 6 Monaten) wird der Befund üblicherweise zunächst unter Lupenbetrachtung (Kolposkopie) und mittels Abstrich kontrolliert. Da diese Zellveränderungen durch eine irgendwann erfolgte Infektion mit HP-Viren (humanen Papillomviren) verursacht werden, wird heute in der Regel zusätzlich eine Virusdiagnostik (HPV-Typisierung / Erregerbestimmung zur Unterscheidung von Niedrig- und Hochrisiko-Viren) durchgeführt.

Bedeutung auffälliger Abstrich‐ / Pap‐Befunde und weitere Vorgehensweise (.pdf)

Wenn sich Ihr Abstrichbefund nicht wieder von allein verbessert oder wenn er sich gar verschlechtert, dann steht im Allgemeinen ein kleiner ambulanter Eingriff mit Entfernung der Zellveränderungen, genannt Konisation, an.

Was geschieht bei diesem Eingriff?

Nach Desinfektion wird mit einer speziellen Schlinge ein nach oben spitz zulaufendes kegelförmiges Gewebestück (Konus) entnommen, welches die veränderten Schleimhautbezirke und einen kleinen angrenzenden Rand gesunden Gewebes umfasst.      
Zum Entfernen des Kegels benutze ich im Allgemeinen eine spezielle Schlingenelektrode (siehe Bild unten), welche das Gewebe unter einem kontrollierten Hochfrequenzstrom schneidet.

Konisations-Elektroden (Fa. Brenner-Medical)

Da bei dieser Art Schneiden gleichzeitig auch kleine Blutgefäße verschlossen werden, blutet die Wunde anschließend kaum.
Bei Frauen mit noch bestehendem Kinderwunsch entfernt man hierbei einen möglichst flachen Kegel, damit der Muttermund bei einer zukünftigen Schwangerschaft noch seine Funktion erfüllt. Nach der Menopause wird meist ein spitzerer, etwas tiefer reichender Kegel entfernt.
Zusätzlich wird immer auch eine Ausschabung des Gebärmutterhalses und nicht selten auch der Gebärmuttterhöhle mit einer Curette – einer Art Löffel mit scharfen Rändern – vorgenommen.
Sollte die Konisationswunde am Ende der OP doch noch etwas bluten, so wird sie abschließend nochmals mit einer Kugelelektrode verschorft.
Das entfernte Gewebe wird in einem Gefäß mit Formaldehyd fixiert und zur weiteren Untersuchung an einen Pathologen geschickt.
Vorteil der Elektrokonisation (HF-Konisation) gegenüber der Laserkoagulation (CO2-Laser) ist für den Pathologen die exakte Beurteilbarkeit des Absetzungsrandes. Vorteil gegenüber der Messerkonisation ist die weitaus geringere operative Blutung, verbunden mit einem weitaus geringeren Risiko von Nachblutung oder Narbenbildung.

Wann ist dieser Eingriff angezeigt?

Ist Ihr Abstrichbefund wiederholt auffällig verändert (Pap IIID), finden sich Hochrisiko-Papillomviren (bei Pap IIID oder IVa) oder findet der Zytologe gar krebsartige Zellveränderungen (Pap IVb oder V), wird Ihr Arzt Ihnen zur weiteren Diagnostik und Therapie meist eine Konisation, d.h. die Entnahme eines kegelförmigen Gewebestücks aus dem Gebärmutterhals, empfehlen. 

Welche Betäubungsmethode wird angewandt?

In aller Regel wird der Eingriff in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt. Unter besonderen Umständen ist auch eine Peridural- oder Spinalanästhesie möglich.

Wie lange dauert der Eingriff?

Im Durchschnitt dauert der Eingriff incl. Narkose etwa 20 Minuten.

Welche Risiken sind zu beachten?

Im Prinzip ist die Konisation mittels elektrischer Schlinge (oder Laser) ein risikoarmer Routineeingriff, der problemlos ambulant vorgenommen werden kann.
Die häufigste, aber dennoch seltene, Komplikation ist die Nachblutung, die sowohl direkt nach dem Eingriff als auch noch einmal nach etwa 10 - 14 Tagen, nach Ablösen des Wundschorfs, auftreten kann. In der Regel lassen sich diese deutlich mehr als periodenstarke Blutungen aber problemlos beherrschen und nehmen kein bedrohliches Ausmaß an.
Über weitere sehr seltene Komplikationen wie Verletzung der Gebärmutter, Entzündungen oder Thrombosen werde ich Sie vor dem Eingriff im Rahmen von Voruntersuchung und OP-Besprechung umfassend aufklären.
In der Regel kann man auch nach einer Elektro- (oder auch Laser-) Konisation problemlos schwanger werden.
In der Regel muss auch keine Verschlußschwäche des Muttermunds (Zervixinsuffizienz) oder Frühgeburt befürchtet werden. Nur nach wiederholten Konisationen könnte in Abhängigkeit von der gemessenen Länge des Gebärmutterhalses eine Cerclage bzw. ein Muttermundsverschluss notwendig werden.

Wer ist für diesen Eingriff nicht geeignet?

Akute Entzündungen in der Scheide (gelber Ausfluss, Jucken oder Brennen) sollten unbedingt noch vor der Operation von Ihrem Frauenarzt abgeklärt und behandelt werden. Akute Entzündungen könnten die Wundheilung behindern und das Risiko für Nachblutungen erhöhen.
Der Eingriff sollte wegen eines erhöhten Nachblutungsrisikos nicht unmittelbar vor oder während der Periodenblutung, sondern möglichst in der ersten Zyklushälfte, d.h. nach der letzten Regelblutung durchgeführt werden.
Besteht der Verdacht, dass eventuell akute oder chronische Entzündungen zu den auffälligen Zellveränderungen geführt haben, so sollten diese vor der Konisation natürlich zuerst behandelt werden, der Abstrich anschließend wiederholt werden.
Bei schwangeren Frauen mit eindeutig hoch-auffälligen und behandlungsbedürftigen Krebsvorsorgeabstrichen wird der Eingriff nach Abschluss der kindlichen Organentwicklung in der 14. bis 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Was ist vor dem Eingriff zu beachten?

Sie müssen unbedingt die letzten 6 Stunden vor OP-Beginn nüchtern bleiben, d.h. nichts essen oder trinken, nicht rauchen und auch keine Bonbons lutschen oder Kaugummi kauen. Bei gefülltem Magen kann es sonst während der Narkose zum Erbrechen und zum Einatmen von Erbrochenem in die Lunge kommen. Dies ist eine vom Patienten verursachte Komplikation, die zu schweren Körperschäden, Behinderungen oder auch zum Tod führen kann.
Nehmen Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Medikamente ein, so sollten Sie mich und vor allem auch den Narkosearzt darüber informieren. Manche Medikamente müssen zum Teil einige Tage vor OP abgesetzt werden, andere sollten evtl. auch noch am Morgen des OP-Tags eingenommen werden.

Was ist nach dem Eingriff zu beachten?

Auch bei der ambulanten Konisation bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung – so lange bis Sie sich fit für den Heimweg fühlen, in der Regel 2 Stunden.
In der ersten Woche nach dem Eingriff sind leichte Blutungen (Schmierblutungen) normal. Etwa 10. bis 14. Tage nach OP löst sich der Wundschorf, was erneut mit Schmierblutungen aber auch mit einem geringen Risiko einer stärkeren Nachblutung verbunden ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten Sie sich auf jeden Fall körperlich etwas schonen.
In der 3. und 4. Woche nach OP werden Sie noch einen leichten rötlich-braunen, dann gelblichen Ausfluss bemerken.
In den ersten 4 Wochen nach dem Eingriff dürfen Sie weder schwimmen noch baden, keinen Geschlechtsverkehr haben und müssen auf den Gebrauch von Tampons verzichten. Auch mit sportlichen Aktivitäten sollten Sie sich wegen der Nachblutungsgefahr noch zurückhalten. Duschen können Sie bereits am Tag nach dem Eingriff.
Eine vorübergehende Temperaturerhöhung bis zu 38° C kann nach dem Eingriff normal sein. Steigt die Temperatur stärker an, sollten Sie umgehend Kontakt mit mir oder mit Ihrem Frauenarzt aufnehmen.

Wann und wo ist nach dem Eingriff der erste Kontrolltermin?

Der erste Arztbesuch nach OP findet bei unkompliziertem Heilungsverlauf in der Regel nach etwa 8 Tagen statt. Zu diesem Zeitpunkt liegt Ihrem Arzt dann auch schon das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung vor und er kann die Befunde und das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen.
Die Abschlussuntersuchung wird nach Abheilung der Konisationswunde, also erst nach etwa 4 Wochen vorgenommen.
Der erste Kontrollabstrich erfolgt üblicherweise 3 - 4 Monate nach OP.

Sollten Sie zu Hause Fieber oder starke Schmerzen bekommen, so nehmen Sie bitte umgehend mit mir, Ihrem Frauenarzt oder einem nahegelegenen Krankenhaus Kontakt auf. Auch wenn Sie nur unsicher sind oder wenn Sie noch Fragen zum normalen Heilungsverlauf haben, niemand wird Ihnen böse sein, wenn Sie bei uns telefonisch um Rat fragen.
Eine Handy-Nummer, unter der Sie mich bei Problemen nach OP auch außerhalb meiner Praxiszeiten erreichen können, erhalten Sie von mir bei Entlassung nach Hause.

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